Du hast ein schönes Malbuch entdeckt, die Stifte liegen bereit – und plötzlich kommt dieser Gedanke:
„Aber ich kann doch gar nicht malen.“
Die gute Nachricht: Musst du auch nicht.
Beim Ausmalen geht es nicht darum, ein Kunstwerk zu erschaffen, das anschließend in einer Galerie hängen könnte. Du brauchst weder besonderes Talent noch Erfahrung mit Farben oder irgendwelche geheimen Künstlertechniken.
Du brauchst eigentlich nur ein Motiv, das dir gefällt, ein paar Stifte und Lust darauf, anzufangen.
Und genau das machen wir jetzt.
Was brauche ich zum Ausmalen?
Für den Anfang erstaunlich wenig:
Ein Malbuch und ein paar Stifte reichen vollkommen aus.
Du brauchst weder ein riesiges Künstler-Set mit 120 Farben noch besonderes Zubehör. Auch Farbtabellen, Mischtechniken und professionelle Schattierungen können erst einmal warten.
Wenn du gerade anfängst, sind Buntstifte eine unkomplizierte Wahl. Du kannst mit wenig Druck hell malen, Farben kräftiger auftragen und verschiedene Farbtöne übereinander ausprobieren.
Welche Stifte sich für unterschiedliche Malbücher und Papiersorten besonders gut eignen, schauen wir uns noch einmal ausführlich in einem eigenen Beitrag an.
Für heute gilt:
Nimm die Stifte, die du hast, und fang an.
Such dir ein Motiv aus, das dir wirklich gefällt
Vielleicht blätterst du durch dein Malbuch und denkst, du müsstest natürlich mit Seite eins anfangen.
Musst du nicht.
Das hier ist kein Schulbuch. 😄
Blättere einfach so lange, bis du bei einem Motiv hängen bleibst.
Vielleicht ist es eine gemütliche Hütte in den Bergen. Ein Tier. Eine Blumenwiese. Ein altes Fahrzeug. Oder irgendein kleines Detail, bei dem du sofort weißt:
Das möchte ich ausmalen.
Gerade am Anfang kann ein Motiv mit etwas größeren Flächen angenehm sein. Sehr filigrane Bilder mit Hunderten winziger Details können wunderschön sein, brauchen aber häufig mehr Geduld.
Wenn du genau darauf Lust hast: wunderbar.
Wenn nicht: auch wunderbar.
Wie finde ich Farben, die zusammenpassen?
Eine der ersten Fragen beim Ausmalen lautet oft:
Welche Farbe nehme ich jetzt?
Und darauf gibt es eine herrlich einfache Antwort:
Die, die dir gefällt.
Natürlich kannst du dich an der Realität orientieren. Gras kann grün sein, ein Baumstamm braun und der Himmel blau.
Aber niemand kontrolliert das.
Ein Haus darf eine rosafarbene Tür bekommen. Der Himmel darf orange sein. Dein Moped kann türkis werden und wenn du heute eine Kuh mit lila Flecken möchtest, dann bekommt die Kuh eben lila Flecken.
Wenn du bei der Farbauswahl trotzdem unsicher bist, starte mit drei bis fünf Farben, die du schön findest.
Das wirkt häufig automatisch harmonischer, als ständig zwischen zwanzig verschiedenen Farben zu wechseln.
Muss ich Schattierungen und Farbverläufe können?
Nein.
Du kannst eine Fläche einfach vollständig mit einer Farbe ausmalen.
Fertig.
Wenn du irgendwann Lust bekommst, etwas auszuprobieren, kannst du mit dem gleichen Buntstift an manchen Stellen stärker und an anderen leichter aufdrücken.
Schon dadurch entstehen unterschiedliche Farbtöne.
Später kannst du zwei ähnliche Farben miteinander kombinieren oder ausprobieren, wie sich verschiedene Stifte übereinander verhalten.
Aber all das ist optional.
Du musst keine Technik lernen, bevor du anfangen darfst.
Und wenn ich über den Rand male?
Dann hast du über den Rand gemalt.
Mehr passiert nicht. 😉
Gerade bei kleinen Flächen landet ein Stift eben manchmal dort, wo er eigentlich nicht hin sollte.
Das Bild ist deshalb nicht ruiniert.
Meistens fällt die Stelle später kaum noch auf – und selbst wenn doch, gehört sie eben zu deinem Bild.
Perfektion ist beim Ausmalen kein Eintrittsticket.
Fang ruhig mit kleinen Bereichen an
Ein großes, komplett weißes Motiv kann am Anfang etwas überwältigend wirken.
Wo soll man anfangen?
Such dir einfach einen kleinen Bereich.
Vielleicht zuerst die Blumen.
Dann die Fenster.
Dann einen Baum.
Du musst beim Ausmalen keiner bestimmten Reihenfolge folgen. Nach und nach verschwindet immer mehr Weiß und das Bild entwickelt sich ganz von selbst.
Und wenn du nach zehn Minuten keine Lust mehr hast?
Dann hörst du auf.
Das Motiv läuft dir nicht weg.
Ein Bild muss nicht an einem Tag fertig werden
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Regeln für Anfänger:
Du musst dein Bild nicht fertig machen.
Nicht heute.
Nicht morgen.
Eigentlich überhaupt nicht, wenn du keine Lust mehr darauf hast.
Manche Motive entstehen an einem Abend. An anderen malt man über mehrere Tage immer wieder ein bisschen weiter.
Und manchmal entdeckt man beim nächsten Durchblättern ein anderes Bild, auf das man gerade viel mehr Lust hat.
Dann malst du eben dort weiter.
Dein Malbuch führt keine Anwesenheitsliste. 😄
Probieren ist ausdrücklich erlaubt
Mit der Zeit wirst du wahrscheinlich ganz automatisch neugieriger.
Was passiert, wenn ich zwei Farben übereinander male?
Wie sieht der Himmel aus, wenn ich Rosa und Orange kombiniere?
Kann ich mit stärkerem Druck Schatten erzeugen?
Genau so entstehen eigene Techniken.
Nicht weil jemand gesagt hat, dass man es so machen muss, sondern weil du ausprobierst, was dir gefällt.
Du kannst sogar eine kleine freie Ecke im Malbuch oder ein separates Blatt benutzen, um Farbkombinationen vorher zu testen.
Vergleiche dein Bild nicht ständig mit anderen
Im Internet findet man beeindruckend ausgemalte Bilder.
Perfekte Farbverläufe. Aufwendige Schatten. Lichtreflexe. Bilder, bei denen man sich fragt, wie jemand das überhaupt mit einem Buntstift hinbekommen hat.
Das kann inspirieren.
Es kann einem aber auch ziemlich schnell das Gefühl geben, dass das eigene Bild nicht „gut genug“ aussieht.
Dabei weißt du meistens überhaupt nicht, wie lange diese Person schon malt oder wie viele Stunden in diesem einen Motiv stecken.
Dein Bild muss nicht aussehen wie das eines anderen Menschen.
Es muss nicht einmal besonders gut aussehen.
Wenn dir das Ausmalen Freude gemacht hat, hat das Malbuch seinen Job bereits erledigt.
Mach aus deiner kreativen Auszeit keinen Leistungssport
Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, Dinge möglichst gut zu machen.
Bei der Arbeit.
Im Haushalt.
Bei Hobbys.
Manchmal sogar beim Entspannen.
Ausmalen darf eine der Sachen sein, bei denen das vollkommen egal ist.
Du musst nichts vorzeigen.
Du bekommst keine Note.
Niemand bewertet deine Farbauswahl.
Und wenn du heute nur fünf Minuten lang einen Baum ausmalst, waren es eben fünf Minuten nur für dich.
Welches Malbuch eignet sich für Anfänger?
Ein spezielles Malbuch für Anfänger brauchst du nicht unbedingt.
Viel wichtiger ist, dass dir die Motive gefallen und der Detailgrad zu dem passt, worauf du gerade Lust hast.
Wenn du noch unsicher bist, hilft dir unser Beitrag „Welches Malbuch für Erwachsene passt zu mir?“ bei der Auswahl.
Und auch in Mikas Malwelt findest du unterschiedliche Themen und Motivwelten für deine kreative Auszeit.
Denn am Ende gibt es beim Ausmalen nur eine wirklich wichtige Regel:
Es soll dir Spaß machen.
Also such dir ein Motiv aus.
Nimm den ersten Stift.
Und fang einfach irgendwo an.
